„Gebt ihnen ihre Würde wieder!“ - Opfer der so genannten Hexenverfolgung rehabilitiert PDF Drucken E-Mail
Geschichte allgemein
Mittwoch, den 17. Oktober 2012 um 17:22 Uhr

Die Büdinger Grünen begrüßen den auf ihren Antrag erfolgten Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zur vollständigen Rehabilitation der Opfer der so genannten Hexenverfolgung. In Büdingen wurden unter dem Vorwurf der Hexerei weit über vierhundert unschuldige Menschen angeklagt, grausam gefoltert und getötet. Sie waren Opfer irrationaler Beschuldigungen und starben einen brutalen Tod. Ihnen die verlorene Würde als Teil einer längst fälligen Wiedergutmachung zurückzugeben, dazu diente dieser Antrag.

Eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Neuzeit in Westeuropa waren die Hexenverfolgungen vom 14. bis 18. Jahrhundert. Auch in Büdingen wurden unbescholtene Bürgerinnen und Bürger verfolgt, wurde ihnen der Prozess gemacht und obskure Geständnisse abgezwungen. Denn nur bei einem Geständnis konnten die Verfolgten hingerichtet werden.

 

In Büdingen sind drei Phasen der Hexenverfolgungen dokumentiert. Die erste Welle von Hexenprozessen geschah zwischen 1532 und 1575. Hexenprozesse unter dem Grafen Wolfgang Ernst zu Ysenburg und Büdingen sind aus den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts überliefert. Die dritte Phase stand unter dem Einfluss des Oberamtmanns Johann Joachim Hartlieb, genannt Walsporn, und dauerte von 1629 bis 1667.

 

Mit ihrem Antrag ging es den Büdinger Grünen um die längst fällige Einsicht in die Verbrechen, die diesen Menschen angetan wurden. Mit der nun erfolgten Rehabilitation hat das oberste politische Gremium der Stadt die einst Hingerichteten als Justizopfer anerkannt.

 

Auch wenn heutige politische Gremien aufgrund des langen Zeitabstands keine Rechtsnachfolger der damaligen Richter sind, so ist die politische Gemeinde doch das gleiche Rechtssubjekt. Sie hat damit sehr wohl die Verpflichtung, sich zu Taten zu äußern, die in historischer Zeit in ihrem Namen veranlasst worden sind.

 

Allen unschuldig Verfolgten und Ermordeten gebührt, selbst nach so langer Zeit, die sozialethische Rehabilitation, da ihnen Unrecht widerfahren ist und ihnen damit ein Stück ihrer Würde zurückgegeben wird. Für das Schicksal von unschuldig verfolgten Menschen einzutreten ist eine moralische Verpflichtung. Es ist zugleich Teil der Sensibilisierung zur Menschlichkeit im Umgang mit heutigen Minderheiten.

 

 

 
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